Geschichte - Die Zeit

Die 20er und 30er Jahre

Autos und Verkehr

Das Aufkommen der Motorisierung mag als einfache Tatsache hingenommen werden, aber es stellt sich trotzdem die Frage, warum gerade ein Austin Seven so erfolgreich war, und wer sich solch ein Fahrzeug überhaupt leisten konnte? Anfang der 20er Jahre gab es in Grossbritannien nur rund 200'000 private Fahrzeuge, doch schon 1930 wurde die 1'000'000 Grenze überschritten und 1939 fuhren mehr als 2'000'000 Briten ihr eigenes Fahrzeug.

Vor dem ersten Weltkrieg stellte ein motorisiertes Vehikel ein Spielzeug für die reiche Oberschicht dar. Eine Neuerung stellte die plötzliche Einfuhr von in Großserien produzierten Fahrzeuge aus den USA dar. Die heimische Industrie mußte sich von den luxuriösen, teuren, unzuverlässigen Einzelprodukten lösen. Austin und Morris stellten sich dieser Herausforderung und führten die Massenfabrikation von Kleinfahrzeugen ein. Die damalige Preislage von knapp unter 200 £ ermöglichte den Kauf durch die Mittelschicht. Die landesinterne Konkurrenz schuf die Massenmobilisierung und somit auch die Verkehrsprobleme der 30er Jahre.

Neben dem Individualverkehr gab es auch den ÖPNV, der hauptsächlich aus Tram und Bus bestand. Nun ließ sich auch die Freizeitgestaltung leichter gestalten und es kamen die ersten Busreisegesellschaften in Mode.

Aber ein neues Problem kam auf: schnelle Fahrzeuge, in steigender Zahl auf den typisch englischen Landstraßen, die kaum einzusehen waren, ließen den Verkehrsunfall zu einem statistischen Spitzenreiter in der Liste aller Todesfälle werden. In den ländlichen Regionen entwickelte sich ein Krieg zwischen Motoristen und Bewohnern (menschlich und auch tierisch): Es wurden Flaschen auf der Straße zerschlagen und die Erwachsenen wiesen ihre Kinder an, Steine zu werfen. Bis 1930 galt ein offizielles Geschwindigkeitslimit von 20 Meilen pro Stunde, welches aber noch nicht einmal im Ansatz eingehalten wurde. Die Maßnahmen, die damals ergriffen wurden, verfolgen den modernen Autofahrer noch heute: Radarfallen und ambitionierte Verkehrsrichter. In den Städten war die Situation noch weitaus schlimmer. 1934 wurden 7'000 getötet und 100'000 verletzt. Diese Zahlen wurden in den 60er Jahren nochmals erreicht, allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt auch 6mal mehr Fahrzeuge.

Die Gründe für die hohen Zahlen in den 30er Jahren wurden teilweise schon genannt, allerdings entstand auch Konfusion durch die örtlich stark variierenden Geschwindigkeitsregelungen bzw. Verkehrsregeln.

Hinzukam die Tatsache, daß es bis dahin noch keinen Führerschein, geschweige denn einen Fahrtest gab. Wer ein Auto hatte und eine Lizenz erworben hatte, durfte vom 17. Lebensjahr an ein Fahrzeug auf Englands Straßen fahren. 1934 war ohnehin ein Jahr der schwerwiegenden Entscheidungen: Der damalige Transportminister Leslie Hore-Belisha führte den Führerschein ein, die Geschwindigkeitsgrenzen, die Roundabouts (Kreisverkehr), Fußgängerüberwege, Vorfahrtsregeln und die berühmten Belisha-beacons (die schwarz-weißen Säulen mit gelbem Blinklicht). Alle Maßnahmen trugen dazu bei, den Straßenverkehr in den Griff zu bekommen. Es gab nun Vorfahrtsstraßen (Mayor Road ahead), Einbahnstraßen (One way street), 30 Meilen pro Stunde (50 km/h) in allen bebauten Gebieten und alle neuen Fahrer mußten sich einem Fahrertest unterziehen.

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