Zeitgeschichte
Die 20er und 30er Jahre

Gesellschaft

Die sozialen Umstände
Der 1. Weltkrieg stellte einen erheblichen Einschnitt in die sozialen Umstände der damaligen Zeit dar. Die während des Krieges stattgefundenen technischen Neuerungen und die ökonomischen Konsequenzen aus der militärischen Ausrichtung der Industrie ließen eine Rückkehr in die Edwardian stability nicht zu. Die Upper-class sah sich plötzlich höheren Steuern ausgesetzt und litt unter einem Mangel an häuslichem Personal, zeitgleich unterlag die Working-class einer hohen, grösstenteils nur zeitweisen, Arbeitslosigkeit. Diejenigen, die die 20er und 30er Jahre jedoch ohne Arbeitslosigkeit erlebten, merkten einen deutlichen Aufschwung in ihrem Lebensstandard. Auch nach 1918 wuchs die britische Bevölkerung stetig, wenn auch langsamer als noch zu viktorianischen Zeiten. Die durchschnittliche Familiengrösse sank und sowohl die Geburtenzahlen als auch die Sterbeziffern unterlagen der Spätphase des demographischen Übergangs. Zudem stellten sich zunehmend Wanderungsbewegungen aus den nördlichen Altindustriezentren in die Midlands und in den Süden ein. Die Suburbanisierung in Form von Einfamilienhaussiedlungen im Grünen und Arbeiterwohnsiedlungen im Stadtrandgebiet sind typische Entwicklungen für die damalige Zeit.

Die Drei-Klassen-Gesellschaft
Nach dem ersten Weltkrieg veränderte sich auch die Zusammensetzung der drei Klassen. Die Oberschicht füllte sich hauptsächlich durch reiche Industrielle, die in den Kriegsjahren immense Umsätze erzielen konnten, daneben gab es auch erfolgreiche Einzelpersonen, die sich durch Selbstständigkeit in das neue Wirtschaftsgefüge einpassen konnten.

Die grösste Veränderung für die Oberschicht hatten die neuen Steuergesetze der damaligen Zeit, Einkommensteuer sowie die Erbschaftssteuer wurden erhöht. Vor dem Krieg lag die Einkommensteuer für Grossverdiener bei rund 8%, nach dem Krieg wurde dies auf durchschnittlich 30% erhöht. Die Mittelschicht erstarkte in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg wirtschaftlich ganz erheblich, was sich vornehmlich an der Zahl der steigenden public schools (Privatschulen) widerspiegelt. Die jährlichen Einkommen eines Arztes lag bei ungefähr £ 750 (1922) bzw. £ 1,100 (1939). Ein Bankangestellter verdiente immerhin noch £ 280 (1922) bzw. £ 370 (1939).

Die Arbeiterklasse ließ sich in zwei Lager teilen, das Lager der Arbeiter der neuen, florierenden Wirtschaftszweige (Automobilindustrie) und die Arbeiter der Altindustrie. So lag der Wochenlohn eines Vorarbeiters bei ca. £ 5.20 (1922-1938) und eines Minenarbeiters bei £ 3.45 (1923) bzw. £ 2.90 (1937). Generell erfuhren die Löhne der Arbeiterklasse einen Einbruch in den Jahren 1920-1938. Es ist allerdings anzumerken, dass die Aussagekraft der Löhne relativ gering ist. Entscheidend ist hier die Tatsache, daß die Kaufkraft aufgrund fallender Preise zunahm. Die oben erwähnten Unterschiede der verschiedenen Industriezweige zeigte sich auch in den Streiks der Minenarbeiter im Jahre 1926.

Abgesehen von den Minenarbeitern erfreute sich die Arbeiterklasse an steigender Kaufkraft und auch zunehmender Freizeit. Die durchschnittliche Arbeitszeit betrug im Jahre 1935 nur noch 48 Stunde pro Woche und eine Woche bezahlten Urlaub. Diejenigen, die von Arbeitslosigkeit betroffen waren, hatten jedoch ein hartes Leben. Seit 1921 gab es zwar eine staatliche Unterstützung für Arbeitslose, aber die immense Anzahl der Sozialhilfeempfänger stellte eine erhebliche Belastung für die Staatskasse dar. 1931 erfolgte daher auch eine Anpassung der Leistungen, die deutlich unter dem geringsten Einkommen eines einfachen Arbeiters lagen. 

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